Anlass einer MPU

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Eine Fahreignungsuntersuchung in Form einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) ist in der Regel dann erforderlich, wenn ein Kraftfahrer:

  • entweder zum wiederholten Male, d. h. zweimal oder mehr mit Alkohol auffällig geworden ist oder
  • bei der ersten Alkohol-Auffälligkeit 1,6 Promille oder mehr hatte oder
  • mehr als 18 Punkte durch "kleinere" Verkehrsdelikte erreicht hat oder
  • sonst Zweifel an der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen auslöst (z.B. bei Drogendelikten, allgemeinen Straftaten, psychiatrischen Auffälligkeiten etc.).

In allen diesen Fällen muss der betreffende Kraftfahrer die Zweifel an der Eignung durch Beibringung eines Gutachtens einer Begutachtungsstelle für Fahreignung (früher: amtlich anerkannten Untersuchungsstelle) selbst ausräumen. Gelingt ihm dies nicht, gelten die Zweifel als nicht ausgeräumt und die Fahrerlaubnis wird nicht erteilt oder entzogen. Diese Gutachten werden von den Betreffenden selbst in Auftrag gegeben, sie wählen die Untersuchungsstelle selbst aus, sie müssen diese Untersuchung selbst bezahlen und sie sind auch selbst Empfänger dieses Gutachtens.

Die Fragestellung an die Gutachter wird abhängig vom Untersuchungsanlass von den Straßenverkehrsämter vorgegeben und lautet bei dem häufigsten Anlass Trunkenheitsfahrt in der Regel wie folgt: "Ist zu erwarten, dass der Untersuchte auch in Zukunft unter Alkoholeinfluss am Straßenverkehr teilnehmen wird und/oder liegen als Folgen unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs in Frage stellen?"

Dies bedeutet, der Gutachter muss in der Regel beide Fragen zu Ihren Gunsten beantworten, damit Sie die Fahrerlaubnis wiedererhalten. Der zweite Gesichtspunkt (Leistungsmängel) spielt in der Regel eine deutlich geringere Rolle, Vorbereiter, die Ihnen hier entscheidende Hilfe versprechen, haben von den aktuellen Untersuchungsstandards keine Ahnung, in der Mehrzahl der Fälle lautet die entscheidende Frage: "Wird er/sie es wieder tun?", nicht: "Ist er/sie leistungsfähig genug." Allerdings nehmen in den letzten 2 Jahren die Fälle zu, in denen aufgrund einer punktuellen Leistungsschwäche eine Fahrprobe gefordert wird.

Die entscheidende Aufgabe der Gutachten ist es, eine Prognose zu erstellen, nicht die allgemeine Persönlichkeit zu beurteilen oder eine nachträgliche Würdigung der Tat vorzunehmen. Die Aufgabe der Prognose kann aber nur erfüllt werden, wenn der Psychologe eine klare und wahrheitsgetreue Vorstellung davon gewinnt, welche Ursachen, Hintergründe und Faktoren für die Trunkenheitsfahrt verantwortlich waren, welche der Untersuchte davon selbst erkannt und verändert hat und bei welchen er u. U. noch zusätzliche Hilfe benötigt. Damit ist die erste Frage, die der Gutachter bei Alkoholdelikten klären muss, die, welche Ursachen maßgeblich waren (Alkoholabhängigkeit, Informationsdefizite, persönliche Lebenskrise, mangelnde Selbstkontrolle, Gewohnheitsbildung, Risikobereitschaft?). Erst dann kann geprüft werden, ob die darauf bezogenen notwendigen Veränderungsschritte vollzogen wurden. Es nützt also nichts, mit einer angeblich glaubwürdigen Standardgeschichte aus dem Internet in die Untersuchung zu gehen.

Bei so genannten Punktetätern (Geschwindigkeitsüberschreitungen, Rote Ampeln, Fahrzeugmängel) lautet die Frage: "Ist zu erwarten, dass der Untersuchte auch zukünftig erheblich oder wiederholt gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?" Hier geht es also nicht darum, ob jemand mal falsch parken wird, sondern um häufige und/oder massive Verstöße. Auch hier gilt wieder, das die spezifischen Ursachen, Fehleinschätzungen etc. geklärt werden müssen.

Bei drogenbezogener Fragestellung liegt ein komplizierter Fall vor. Da auf der einen Seite sehr unterschiedliche Anlässe vorliegen können, zwischen verschiedenen illegalen Drogen unterschieden werden muss, die Handhabung in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ist und zudem das gesamte Fachgebiet auch wissenschaftlich immer noch in der Diskussion ist, ist es schwer, eine allgemein verbindliche Richtschnur zu formulieren, wir empfehlen dringend, sich frühzeitig an eine kompetenten Anwalt und an einen qualifizierten Verkehrspsychologen zu wenden. Einen guten Überblick über die Rechtslage gibt: www.anwalt-hls.de/hanf/drogfev.htm. Eine grobe Orientierung habe ich unter dem Stichwort MPU bei Drogen versucht.

 

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Copyright © 2009 Verkehrspsychologische Praxis Dipl.-Psych. Jörg-Michael Sohn, Saarlandstr. 6 a, 22303 Hamburg, Tel.: 040-56008008. Stand: 19. November 2009