Duft

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Achtung: Dies ist ein fiktives Beispielgutachten!

TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e.V.

Medizinisch-Psychologisches Institut

P e r s ö n 1 i c h

Frau

Elisabeth Duft

Bahnhofstr. 1

37000 Nordhorn

                                      Datum: 07. Januar 1996

                                      Dikt.: abC/Dr.De/FG

                                      U-Nr.: 22/5391/96

G U T A C H T E N

der a.a. Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstelle

G ö t t i n g e n

über                             Frau Elisabeth Duft
geb. am:                      15.11.1962
in:                           Essen
Wohnort:                      37000 Nordhorn,Bahnstr.1

Die Untersuchung erfolgte am 02. März 1996 im Auftrage der Frau Duft, um die von der Verwaltungsbehörde geltend gemachten Zweifel an der Fahreignung auszuräumen. Die Verwaltungsbehörde hat die Vorlage eines Gutachtens zur Vorbereitung ihrer Entscheidung über die Kraftfahreignung der Untersuchten gefordert.

Das vorliegende medizinisch-psychologische Gutachten dient allein dem Zweck, der die Begutachtung veranlassenden Straßenverkehrsbehörde eine Entscheidungshilfe nach den Anforderungen der Richtlinien für die Prüfung der körperlichen und geistigen Eignung von Fahrerlaubnisbewerbern und -inhabern - Eignungsrichtlinien - sowie dem Leitfaden zur Begutachtung der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen in amtlich anerkannten Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstellen (MPU) zur Verfügung zu stellen.

I Fragestellung und Vorgeschichte:

Fragestellung:

Ist zu erwarten, daß die Untersuchte auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluß führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges der Klassen 1 und 3 in Frage stellen?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß 32 % der Kraftfahrer, die zweimal mit Trunkenheit am Steuer auffällig wurden, innerhalb von 10 Jahren ein drittes Mal auffallen (STEPHAN, E. Trunkenheitsdelikte im Verkehr und Alkoholmißbrauch, Blutalkohol 25, 1988, 201 - 227). Nach zwei Trunkenheitsfahrten ist also die Wahrscheinlichkeit hoch, daß ein Kraftfahrer erneut alkoholisiert am motorisierten Straßenverkehr teilnimmt. Es ist deshalb zu untersuchen, ob bei Frau Duft günstigere Voraussetzungen vorliegen.

Vorgeschichte:

Die uns übersandten amtlichen Akten, auf die hinsichtlich der Vorgeschichte im einzelnen verwiesen wird, wurden eingesehen und bei der Begutachtung berücksichtigt.

Nach Aktenlage beantragt Frau Duft eine Fahrerlaubnis der Klassen 1 und 2.

Frau Duft wurde wiederholt in verkehrsrechtlicher Hinsicht verhaltensauffällig (bezüglich der Art und zeitlichen Abfolge dieser Auffälligkeiten wird auf die Akten der Straßenverkehrsbehörde verwiesen).

Über Fahrten unter Alkoholeinfluß sind folgende Daten aktenkundig:

Datum 08.06.1987, Tatzeit 18.15 Uhr, BAK 1,53 ‰.

Datum 22.05.1994, Tatzeit 10.25 Uhr, BAK 3,19 ‰.

II. U n t e r s u c h u n g s b e f u n d e

A) Psychologische E x p l o r a t i o n

Stellungnahme der Untersuchten (teilweise schriftlich erhoben):

Zur Lebensgeschichte, zur persönlichen und beruflichen Entwicklung und jetzigen Lebenssituation machte die Untersuchte hier u.a. folgende Angaben:

Fachabitur. Berufliche Qualifikationen als Bauzeichnerin und Kosmetikberaterin. Verschiedene Tätigkeiten, teilweise im Wechsel mit Zeiten der Arbeitslosigkeit. Erneute Arbeitslosigkeit seit 1994. Sie habe eine Stelle im Rahmen einer Außendienstbetreuung und Schulung im Telefonmarketing in Aussicht. Scheidung in erster Ehe 1991. Eine neue partnerschaftliche Beziehung im gemeinschaftlichen Haushalt bestehe.

Zur Verkehrsteilnahme machte die Untersuchte hier u.a. folgende Angaben:

Sie habe eine Fahrerlaubnis erstmalig 1981 erworben, etwa 13 Jahre relativ regelmäßig (einschließlich führerscheinfreie Fahrzeuge) am motorisierten Straßenverkehr teilgenommen und dabei ca. 350.000 km insgesamt zurückgelegt.

Zur weiteren Verkehrsvorgeschichte berichtet Frau Duft von insgesamt zwei Fahrerlaubnisentzügen wegen Trunkenheit am Steuer, einer Bestrafung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und drei Geschwindigkeitsübertretungen.

(Zur Trunkenheitsfahrt am 22.05.1994) Sie habe in der Nacht auf einem Parkplatz im Fahrzeug sitzend Korn in nicht erinnerlichen Mengen getrunken. Trinkmotiv hierbei sei "Frust" (nähere Angaben liegen hier vor) gewesen. "Ich wollte nichts mehr sehen oder hören. Es war ein absoluter Aussetzer." Sie erinnere noch, daß sie "irgendwie zusammengebrochen" sei. Zudem habe sie noch eine Erinnerung daran, daß sie das Fahrzeug gestartet habe und losgefahren sei.

Nachdem sie von der Polizei in ein Taxi gesetzt worden sei, habe sie keine Erinnerung mehr. Sie wisse noch, daß sie sich übergeben habe, notärztliche Hilfe sei jedoch nicht erfolgt.

(Alkoholanamnese/Trinkgewohnheiten):

Frau Duft berichtet, sie habe eine Phase vermehrten Alkoholkonsums im Zeitraum um die aktenkundige Trunkenheitsfahrt 1994 für die Dauer von ca. 2  Monaten gehabt. Auf dem Hintergrund psychischer Belastungen habe sie abends Alkohol getrunken, um schlafen zu können. " ... mal Wein oder mal diese Mixgetränke, was halt so da war ... wenn ich ein Quantum getrunken hatte, konnte ich schlafen." (Auf Nachfrage zum Trinken) "Es steigerte sich, aber bis zu dem Teil, wo ich müde würde." (Auf Nachfrage zur Höchsttrinkmenge) "Das war eigentlich immer relativ normal. Nicht bis zur Bewußtlosigkeit oder daß ich außer Kontrolle geraten bin." Letztendlich vermag Frau Duft zu berichten, daß sie als größte Trinkmenge mal 0,7 1 Wein zu sich genommen habe.

(Zu den Trinkmotiven) "Gemütliches Beisammensein, sprich Partys..."

(Zu den aktuellen Trinkgepflogenheiten) Ihr Partner sei "absoluter Abstinenzler" und habe ihr geholfen, "wieder auf den Boden zurückzukommen".

(Auf Nachfrage) "Ich trinke ganz ganz selten, wie zum Beispiel jetzt Silvester, da habe ich ein Glas Sekt getrunken, aber in der Regel nicht." Vor Silvester habe sie am 12.02.1995 ein Glas Sekt auf dem 65. Geburtstag des Vaters ihres Lebensgefährten getrunken. Ansonsten habe sie seit der Trunkenheitsfahrt vom 22.05.1994 keinen Alkohol mehr zu sich genommen.

(Auf Nachfrage zu ihrer Alkoholgefährdung) "Ich bin der Auffassung, daß damals eine Gefährdung bestand und daß ich meiner Meinung nach die Kurve noch rechtzeitig gekriegt habe."

(Zu den Ausnahmen des Sekttrinkens) "Um 12.00 Uhr kam der Papa mit seiner Flasche Sekt zum Anstoßen und so ist es halt gekommen. "

(Zur Möglichkeit eines erneuten Alkoholmißbrauches) "Ich habe eingesehen, daß es unsinnig war, was ich getan habe. Zum anderen habe ich die Chance, wieder etwas anzufangen mit meinem Leben (meint berufliche Situation) ..." (Erneut zur Veränderung ihres Umgangs mit Alkohol) Sie habe von heute auf morgen ihre Trinkgewohnheiten geändert. Anfangs habe sie nicht mehr richtig schlafen können, auch etwas stärker geschwitzt. "Aber ich meine, das kommt heutzutage auch vor, daß man nachts mehr schwitzt."

(Zu jetzigen Möglichkeiten der Problembewältigung) "Ich habe mich von den Leuten losgesagt."

(Zur künftigen Deliktvermeidung) "Indem ich nicht mehr trinke."

(Kenntnisse zum Thema "Trinken und Fahren") Die Höhe ihrer Blutalkoholkonzentration aufgrund eines Glases Sekt zu 0,1 1 sei ihr nicht bekannt.

(Zur Fahrt ohne Fahrerlaubnis am 15.07.1995) "Ich hatte mir beim Essen einen Zahn abgebrochen. Der Zahnarzt hatte gesagt, ich solle sofort kommen. Das wäre eine halbe Stunde zu Fuß gewesen. Ich habe blöderweise das Auto genommen und da kam mir blöderweise der Dorfsheriff entgegen."

Die Erhebung der Alkoholanamnese ergab u.a. folgende Hinweise:

  • Suchen nach Erleichterung bei Sorgen und Konflikten.
  • Zeigt im Untersuchungsgespräch keine Ansätze für eine reflektierende Aufarbeitung bzw. Besprechung von Problemen, die häufigen und stärkeren Alkoholkonsum bedingen können.
  • Zeigt sich nicht informiert über die Zusammenhänge zwischen Alkoholtrinkmenge, Blutalkoholgehalt und Alkoholabbau.
  • Behauptet, gegenwärtig alkoholabstinent zu sein seit 11.10.1994.
  • Berichtet von 2 Ausnahmesituationen bezüglich ihrer Abstinenz.
  • Erkennt ansatzweise, daß Alkoholkonsum problematisch wurde, stellt sich dem aber nicht mit der nötigen Offenheit.

Die Stellungnahmen und das Verhalten der Untersuchten waren besonders durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Freundlich, gesprächsbereit.
  • Formuliert pauschal Vorsätze ohne konkrete Vorstellungen zur künftigen Vermeidung von Delikten.

B M e d i z i n i s c h e Befunde

Angaben zur Gesundheit:

In den Angaben der Untersuchten zur Gesundheit fanden sich keine Hinweise auf organische Erkrankungen, Operationen oder Unfallfolgen, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges wesentlich beeinträchtigen könnten.

Früher habe sie über einen kurzen Zeitraum von ca. 2 Monaten besonders massiv Alkohol getrunken.

Zum derzeitigen Alkoholkonsum gab die Untersuchte an, sie trinke gar keinen Alkohol mehr seit Oktober 1994. Einschränkungen der Leistungsfähigkeit am Untersuchungstag und zum Führen von Kraftfahrzeugen wurden hier ausdrücklich verneint.

Körperliche Untersuchung und Laborwerte:

Allgemeinzustand
Ernährungszustand: schlank
Kräftezustand: normal
Haut: unauffällig
Herz, Lunge, Abdomen ohne krankhaften Befund.
Leber nicht vergrößert und nicht druckempfindlich.

Vegetativum
Vegetative Zeichen nicht wesentlich verstärkt.
Neurologischer Befund
Hirnnerven intakt, keine Paresen, Reflexverhalten regelrecht, keine pathologischen Reflexe.
Koordination: Blindgang und Einbeinstand leicht unsicher.

Bewegungsorgane
ohne verkehrsrelevante Funktionsstörungen.

Sinnesorgane
Augen:        Motilität: nicht gestört
äußerlich: ohne krankhafte Veränderungen
zentrale Tagessehschärfe:
ohne Glas re. 0,7 oder mehr li. 0,7 oder mehr
s. Sehtest vom 09.05.1995
Hörvermögen: Flüstersprache 4 m bds.

Laborbefunde
Gamma-GT 12 U/1 (Normbereich Frauen 4 - 18 U/1 bei 25 Grad C)
GOT 14 U/1 (Normbereich - 15 U/1 bei 25 Grad C)
GPT 11 U/1 (Normbereich - 17 U/1 bei 25 Grad C)
MCV 92,7 fl (Normbereich 80 - 100 fl)

C Psychophysische T e s t v e r f a h r e n

Leistungsbefunde werden in Prozenträngen (PR) mitgeteilt. Der PR gibt an, wieviel Prozent der Personen einer vergleichbaren Stichprobe geringere Leistungen aufweisen; der mittlere Leistungsbereich liegt zwischen PR 15 und PR 85.

Test für reaktive Stress-Toleranz (RST3)(untersucht Reaktionskapazität bei Mehrfachwahlreaktionen)

1. Phase:  Richtige Reaktionen         PR 82
           Verzögerte zu Richtigen     PR 100
           Auslassungen                 PR 65
           Fehlreaktionen               PR 22
2. Phase:  Richtige Reaktionen         PR 75
           Verzögerte zu Richtigen     PR 60
           Auslassungen                 PR 82
           Fehlreaktionen               PR  4
3. Phase:  Richtige Reaktionen         PR 80
           Verzögerte zu Richtigen     PR 55
           Auslassungen                 PR 96
           Fehlreaktionen               PR 18

III. Zusammenfassende B e u r t e i 1 u n g

Frau Duft hat sich hier im Sinne der angegebenen Fragestellung untersuchen lassen, um die von der Verwaltungsbehörde geäußerten Zweifel an ihrer Fahreignung auszuräumen.

Bei der verkehrsmedizinischen Untersuchung fanden sich auf internem, neurologischem und sinnesphysiologischem Gebiet sowie am Bewegungsapparat keine Hinweise auf bedeutsam Einschränkungen der Fahreignung.

Körperliche Zeichen, die für alkoholtoxische Auswirkungen eines Langzeitkonsums sprechen könnten, waren nicht sicher nachweisbar.

Die hier im Blut bestimmten Laborparameter Gamma-GT und MCV, die auf erhöhten Alkoholkonsum hindeuten können, lagen im Referenzbereich.

In der verkehrspsychologischen Untersuchung zeigten sich hinsichtlich der speziellen Fragestellung keine eindeutigen Leistungsminderungen, die als Folge alkoholtoxischer Schädigungen anzusehen sind.

Der Schwerpunkt der Beurteilung der Fahreignung liegt bei der Frage des kritischen Umgangs mit Alkohol und einer angemessenen vorausschauenden Verhaltenssteuerung hinsichtlich der Vermeidung von Trunkenheitsfahrten.

Aus den Aktenunterlagen geht hervor, daß die Verwaltungsbehörde die Entziehung der Fahrerlaubnis wegen Trunkenheit am Steuer mit hoher BAK zum Anlaß für die Überprüfung der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen genommen hat. Für die Beurteilung der Gefährdungs- bzw. Rückfallwahrscheinlichkeit im allgemeinen ergeben sich aus der Vorgeschichte nach verkehrspsychologischen Forschungsergebnissen erhebliche Bedenken. Für die individuelle Prognose des Einzelfalles sind jedoch die jeweils erhobenen Gesamtbefunde ausschlaggebend.

Bei einer BAK von 3 ‰  und mehr muß von einer erheblichen körperlichen Giftfestigkeit ausgegangen werden. Für alkoholungewohnte Personen besteht ein akut lebensbedrohlicher Zustand, der ärztliche Nothilfe erforderlich macht. Die näheren Umstände im hier vorliegenden Einzelfall verweisen auf Kontrollverlust und Alkoholmißbrauch im Sinne von Trinkgewohnheiten, welche zumindest im Vorfeld einer Alkoholabhängigkeit anzusiedeln sein dürften.

Der jetzt geäußerte, positiv erscheinende Vorsatz beschränkt sich ausschließlich auf eine vordergründige Abstinenzbehauptung, die hinsichtlich ihre Grundlage und Motivation nicht nachvollziehbar ist und der somit im Gesamtzusammenhang keine wesentliche prognostische Bedeutung beigemessen werden kann, insbesondere auch unter dem Aspekt, daß Frau Duft offensichtlich noch dem Einfluß anderer Personen bezüglich ihres Trinkverhaltens unterliegt. So berichtet die Untersuchte, am 12.02. und am 31.12.1995 ein Glas Sekt getrunken zu haben ("... kam der Papa mit seiner Flasche Sekt zum Anstoßen und so ist es halt gekommen").

Die Behauptung der Untersuchten, daß sie über einen bestimmten Zeitraum abstinent sei, kann isoliert nicht schon zu einer positiven Beurteilung führen. Vielmehr muß der angegebene Trinkverzicht in Bezug zur Vorgeschichte und zur heutigen allgemeinen Lebensführung gesehen werden. Dabei geht es einmal um Abklärung der Glaubhaftigkeit der Aussage und zum anderen um die Einschätzung der Gefahr, wieder in alte Trinkgewohnheiten zurückzufallen.

Insbesondere bezüglich der Möglichkeit, erneut in alte Verhaltensgewohnheiten bzw. Trinkgewohnheiten zu verfallen, ergibt sich aus gutachterlicher Sicht eine ungünstige Prognose. Frau Duft hat trotz erster Einsicht in eine Alkoholgefährdung, die sie jedoch nur auf den Zeitraum um die letzte aktenkundige Trunkenheitsfahrt beschränkt, keine weiteren Maßnahmen getroffen, um in zukünftig vergleichbaren Problemsituationen und daraus resultierenden psychischen Belastungen in adäquater Weise zu reagieren. So hat die Untersuchte bisher keine fachliche Hilfe in Anspruch genommen, um entsprechende Problemlösungsalternativen zu erarbeiten. Ihre derzeitige Angabe zu diesem Thema beschränkt sich darauf, daß sie sich von den Leuten losgesagt habe, die ihr zum damaligen Zeitpunkt die Konflikte und Belastungen beschert hätten.

Einstellung und Verhalten bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Person und der Umwelt werden bestimmt durch mangelnde kritisch-rationale Verhaltenskontrollmöglichkeiten in Verbindung mit einer Neigung zu inadäquater Konflikt- und Problemverarbeitung. Ausreichend nachvollziehbare Veränderungen dieser Grunddispositionen sind nicht erkennbar, so daß auch künftig beim Eintreten von Konflikt- und Problemsituationen mit mißbräuchlichem Alkoholkonsum und entsprechenden Auswirkungen bei der Verkehrsteilnahme zu rechnen ist.

Nach den verfügbaren Informationen und Sachverhalten ist davon auszugehen, daß sich über längere Zeit negative Verhaltensgewohnheiten beim Alkoholkonsum entwickelt und letztlich auch zu dem konflikthaften Verhalten bei der Verkehrsteilnahme geführt haben. Eine ausreichend realitätsgerechte Selbsteinschätzung gelingt Frau Duft zur Zeit nicht. Verdrängungstendenzen verhindern offenbar eine genügend selbstkritische Sichtweise eigenen Fehlverhaltens beim Umgang mit Alkohol. Somit liegt die Grundvoraussetzung für eine tiefergreifende und nachhaltige Einstellungs- und Verhaltenskorrektur nicht vor. Ausreichende individuelle Möglichkeiten, in Zukunft in entsprechenden Situationen eine konsequente Trennung zwischen Trinken und Fahren vorzunehmen, lassen sich aus dieser Befundlage nicht ableiten.

Die wenig selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Fehlverhalten kommt auch darin zum Ausdruck, daß bezüglich des Problems Alkohol und Fahrtüchtigkeit bzw. Verkehrsteilnahme erhebliche Kenntnismängel festzustellen sind.

Darüber hinaus beschränken sich die jetzigen Vorstellungen zur künftigen Vermeidung von Trunkenheitsfahrten auf einen vordergründigen Abstinenzvorsatz, der im beschriebenen Gesamtzusammenhang wenig Tragfähigkeit besitzt und dem daher keine dauerhaft verhaltenswirksame Bedeutung für die Lösung des Trink-Fahr-Konflikts beigemessen werden kann.

Nach Abwägung aller positiven und negativen Gesichtspunkte der Beurteilung unter Beachtung der aktenkundigen Eignungsbedenken der Verwaltungsbehörde ist bei Frau Duft eine ungünstige Verkehrsprognose zu stellen. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Fahrten unter Alkoholeinfluß in naher Zukunft überwiegt eindeutig gegenüber der Wahrscheinlichkeit, daß die Untersuchte bereits jetzt das Problem "Trinken und Fahren" mit dem nötigen Sicherheitsbewußtsein und entsprechender Verhaltenskontrolle bewältigen kann.

Insgesamt kommen wir zu folgender Beurteilung:

Die von der Verwaltungsbehörde geäußerten Bedenken an der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen können nach den anläßlich unserer Untersuchung erhobenen Daten und Befunden nicht ausgeräumt oder wesentlich abgeschwächt werden. Die Fragestellung der Verwaltungsbehörde ist daher wie folgt zu beantworten:

Körperliche und psychophysische Leistungsmängel als Folge unkontrollierten bzw. erheblichen Alkoholkonsums, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges der Klassen 1 und 3 erheblich in Frage stellen könnten, fanden sich bei der Untersuchung nicht sicher.

Es ist zu erwarten, daß die Untersuchte auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluß führen wird.

Eine evtl. positive Änderung der Eignungsvoraussetzungen ist nicht kurzfristig zu erwarten. Vor Ablauf von 1 bis 1 1/2 Jahren halten wir eine erneute Überprüfung der Eignungsvoraussetzungen nicht für zweckmäßig.

Eine wesentliche Verbesserung der individuellen Voraussetzungen wird jedoch nur durch eine grundlegend kritischere Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem eigenen Verhalten, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Alkohol, sowie durch entsprechende Verhaltenskonsequenzen zu erreichen sein.

Es ist fraglich, ob Frau Duft ohne sachgerechte Unterstützung, z. B. durch eine psychologische Beratungsstelle oder durch eine verkehrspsychologische Praxis, in der Lage sein wird, die genannten Anforderungen zu erfüllen; die Untersuchte sollte entsprechende Schritte unternehmen.

Nachweise formaler Art wie Bescheinigungen über unauffällige Leberwerte oder Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe reichen allein für eine günstige Prognose nicht aus, wenn deutlich wird daß eine unverändert unkritische Problemsicht vorherrscht.

Medizinisch-Psychologische Untersuchungsstelle Göttingen

Dr. med.                             Dipl.-Psych.

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