Erdreit

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Achtung: Dies ist ein fiktives Beispielgutachten!

TÜVBERLIN

BRANDENBURG

Technischer Überwachungs-Verein Berlin-Brandenburg e.V.

Amtlich anerkannte medizinisch-psychologische Untersuchungsstelle Potsdam

Medizinisch-psychologisches Gutachten

Sebastian Erdreit

Geburtsdatum:                           17.01.1964

Anschrift:                                     Lindenstr. 678

                                                    14420 Potsdam

Veranlasser/Aktenzeichen:      LEA II D 2579

Untersuchungsdatum:                05.11.1996 und 10.05.1997

Untersuchungsanlaß:                 Neuerteilung der Fahrerlaubnisklassen 1 und 3;
                                                    Bedenken an der Kraftfahreignung wegen
                                                    verkehrsrechtlicher Vorbelastung.

Gutachten-Nummer:                  1 6588/27/97

Unser Zeichen:                          BMV-GU/MT-K3, 01. Juni 1997

 

Gutachterliche Fragestellung

Ist zu erwarten, daß der Untersuchte auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluß führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges der Klassen 1 und 2 in Frage stellen?

Ist zu erwarten, daß Herr Erdreit auch zukünftig erheblich gegen strafrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?

Gutachtenurteil nach Aussetzung

Es ist nach derzeitiger Befundlage nicht zu erwarten, daß der Untersuchte zukünftig ein Fahrzeug unter Alkoholeinfluß führen oder erheblich gegen strafrechtliche Bestimmungen verstoßen wird.

Aktenanalyse

Die uns zur Verfügung gestellten Aktenunterlagen sind eingesehen worden und bilden einen Bestandteil der Begutachtung. Verzeichnet ist eine Trunkenheitsfahrt im Vollrausch vom 5.5.1995 bei einer festgestellten Blutalkoholkonzentration von 3,02 Promille zum Zeitpunkt der Blutentnahme um 4.15 Uhr. Darüber hinaus trat Herr Erdreit schon am 20.4.1989 alkoholisiert in Erscheinung und mußte ferner am 01.12.1995 wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung verurteilt werden.

Medizinische Untersuchung

Die ärztliche Untersuchung erfolgte anlaßspezifisch und unter spezieller Berücksichtigung der von der Verwaltungsbehörde mitgeteilten Zweifel an der Eignung. Die Vorgeschichte wurde aufgenommen, gezielte anamnestische Erhebungen wurden im Hinblick auf die anlaßgebenden Tatsachen durchgeführt. Nachfolgend werden nur solche Befunde dargestellt, die für die Beurteilung der Fahreignung aus medizinischer Sicht relevant sind.

Entzugsbehandlung im Krankenhaus Maria-Louisen-Stift vom 15.5. bis 13.6.1996 mit anschließenden Selbsthilfegruppenbesuchen (Blaues Kreuz) zweimal wöchentlich und Verhaltenstherapie. Abstinenz bestehe seit 15.5.1996.

Verkehrsmedizinischer Untersuchungsbefund

Der 32 Jahre alte Proband zeigte eine Körpergröße von 169 cm und ein Gewicht von 62 kg. Der Blutdruck betrug 110/75 mm Hg. Der Fernvisus betrug re 0,9, li 1,0 ohne Glas.

Allgemeinzustand unauffällig, leichte Teleangiektasien, Leber nicht vergrößert tastbar, Leberkonsistenz unauffällig, neurologischer Befund unauffällig bis auf wässrige Augenbindehäute und Fingertremor feinschlägig.

Laboruntersuchung:        Gamma - GT     11 U/l      (Norm bis 28 U/I)

vom 5.11.96                   GOT                  12 U/l     (Norm bis 17 U/l)

                                    GPT                  09 U/l     (Norm bis 23 U/l)

                                    MCV                 97 fl       (Norm bis 103 fl)

Die von Herrn Erdreit im Rahmen einer Aussetzung bis zur Nachuntersuchung vereinbarungsgemäß von Januar bis Mai beigebrachten Leberenzymwerte liegen durchgängig im Normbereich gesunder Erwachsene.

Laboruntersuchung:         Gamma - GT     10 U/l      (Norm bis 28 U/l)

vom 10.05.97                  GOT                  11 U/l     (Norm bis 17 U/l)

                                    GPT                   08 U/l     (Norm bis 23 U/l)

                                    MCV                  96 fl        (Norm bis 103 fl)

Medizinische Befundwürdigung

Die bei der körperlichen Untersuchung festgestellten Auffälligkeiten können als Restzustände früheren Alkoholmißbrauchs angesehen werden. Die Laborwerte liegen im Normbereich gesunder Erwachsener. Die von dem Untersuchten angegebene Alkoholkarenz wird damit zwar noch nicht bewiesen, gewinnt jedoch an Glaubhaftigkeit.

Psychologische Untersuchung

Im Rahmen des Untersuchungsgesprächs hatte Herr Erdreit Gelegenheit, seine Auffassung und Verarbeitung zur aktenkundigen Vorbelastung darzustellen und sich damit auseinanderzusetzen.

Explorationsdaten vom 05.11.1996

Herr Erdreit ist seinen Angaben zufolge ausgebildeter Graphiker, zur Zeit sei er arbeitslos, rechne sich aber im Falle der Wiedererlangung der Fahrerlaubnis Chancen auf eine Beschäftigung aus.

Eingangs der Exploration räumte Herr Erdreit als Begutachtungsanlaß die aktenkundige Trunkenheitsfahrt ein. Diese sei Ausdruck einer bei ihm bestehenden Alkoholabhängigkeit. Schon 1992 habe er seinen Hausarzt wegen des Gefühls angesprochen, daß er Alkoholprobleme habe. Seinerzeit habe er aber lediglich für ca. 2 Monate abstinent gelebt und sein Trinkverhalten nicht dauerhaft geändert. Es sei immer wieder zu phasenweise exzessivem Trinkens gekommen, während einer solchen Episode habe er die Trunkenheitsfahrt begangen. Auch der Hausfriedensbruch und die Beleidigung seien im Rausch begangen worden.

Vom 15.5. bis 13.6. 1996 habe er sich schließlich einer stationären Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung unterzogen. Seit Beginn der Behandlung bestehe Abstinenz. Um eine Begründung für seine Entscheidung, sich einer Alkoholentzugsbehandlung zu unterziehen, gebeten, verwies der Antragsteller darauf, daß eigene Versuche der alkoholfreien Lebensführung jeweils nur von kurzer Dauer gewesen seien und es immer wieder zu Rückfällen gekommen sei. Angesichts mehrfach gescheiterter Korrekturversuche sowie wiederholter sozialer Auffälligkeiten - darunter die Trunkenheitsfahrt - habe er sich der Einsicht, Alkoholiker zu sein - die er vorher immer abgewehrt hätte - nicht mehr verschließen können.

Er sei jetzt überzeugt, daß er die Abstinenz im Gegensatz zu den früheren erfolglosen Alkoholverzichtsversuchen durchhalten könne. So akzeptiere er jetzt die bestehende Alkoholabhängigkeit und das sich daraus ergebende Abstinenzerfordernis. Im Rahmen der Entzugstherapie habe er sich Gedanken über die Ursachen des früheren Trinkverhaltens gemacht und auch die gefährdenden Komponenten übermäßigen Alkoholkonsums in gesundheitlicher Hinsicht zur Kenntnis genommen. Ferner hätten sich zwischenzeitlich Leben und Allgemeinbefinden in positiver Hinsicht verändert.

Es komme zu Hausarztkonsultationen nach Vereinbarung, des weiteren suche er mindestens ein- bis zweimal wöchentlich Sitzungen des Blauen Kreuzes (vergleichbar mit den Anonymen Alkoholikern) auf. Außerdem absolviere er eine Gesprächsstherapie mit dem Ziel eines angstfreier Bewältigung von sozialen Situationen. Vorgelegt wurden Behandlungsbestätigungen über die absolvierte Alkohol-Entzugs-Behandlung im Krankenhaus Maria-Louisen-Stift sowie über die Gesprächspsychotherapie.

Da im vorliegenden Fall gemäß Gutachten Krankheit und Kraftverkehr für eine positive Beurteilung der Fahreignung der Nachweis einer wenigstens einjährigen Abstinenz erforderlich ist, diese Voraussetzung aber zum Zeitpunkt der Untersuchung im November 1996 noch nicht gegeben war, wurde mit Herrn Erdreit eine Nachuntersuchung und im Einvernehmen mit der Fahrerlaubnisbehörde die Aussetzung der Gutachtenerstellung bis Mitte 1997 vereinbart.

Explorationsdaten vom 10.05.1997

Herr Erdreit berichtete eine fortgesetzte und stabilisierte Abstinenz. Rückfälle habe es nicht gegeben, sein Abstinenzentschluß stehe vor dem Hintergrund der ihm bestens bekannten Rückfallgefahr fest. Es komme weiterhin zur regelmäßigen Teilnahme an Veranstaltungen der Selbsthilfegruppe, außerdem führe er die psychotherapeutische Intervention fort.

Die Arbeitssituation habe sich trotz der noch fehlenden Fahrerlaubnis verbessert, so arbeite er als freier Layouter u.a. für den Klett-Verlag. Der Proband brachte Laborbefunde von Januar, Februar, März und April 1997 bei. Die Gamma-GT-Werte erwiesen sich im Bereich zwischen 13 und 8 U/l als durchgängig im unteren Normbereich liegend.

Psychologische Befundwürdigung

Die Tatsachen der Deliktvorgeschichte (Trunkenheitsfahrt mit extrem hoher Blutalkoholkonzentration von 3,02 Promille) und die aktenkundigen Informationen über sonstige soziale Auffälligkeiten unter Alkoholeinwirkung legten den dringenden Verdacht auf das Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit nahe. Dies bestätigte sich aus den Darstellungen des Untersuchten hier. Er betrieb nach eigenen Angaben Alkoholmißbrauch, der zur Abhängigkeit führte. Im Jahre 1996 unterzog er sich einer stationären Alkohol- Entgiftungs- und Entzugstherapie und lebt seither abstinent. Diese Angabe beurteilen wir als glaubhaft.

So hat die anlaßbezogene medizinische Untersuchung keine eignungsausschließenden Befundauffälligkeiten ergeben. Körperliche Anzeichen eines aktuellen Alkoholmißbrauchs fanden sich nicht. Durch die bei der laborchemischen Untersuchung bei uns sowie die seit Anfang 1997 erhobenen Befunde des Hausarztes wird die Glaubhaftigkeit der berichteten Abstinenz unterstützt.

Nach dem Ergebnis der Exploration ist bei Herrn Erdreit ein Selbstverständnis als Alkoholiker vorhanden und strikte Abstinenz wird auch für die Zukunft als notwendig bejaht. Die erforderliche Einsicht ist bei ihm somit gegeben. Es findet eine Teilnahme an Veranstaltungen einer Selbsthilfegruppe sowie eine allgemein-psychotherapeutische Weiterbehandlung statt, was zur Stabilisierung der Abstinenz und Minderung des Rückfallrisikos beiträgt.

Die gemäß Gutachten Krankheit und Kraftverkehr zum Nachweis nicht mehr bestehender Abhängigkeit geforderte mindestens einjährige Abstinenz nach erfolgreicher klinischer Entziehungstherapie kann im Juni 1997 als gegeben angesehen werden. Konkrete Anhaltspunkte, die eine jetzt noch erhöhte Rückfallwahrscheinlichkeit bedingen wurden, ließen sich zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung nicht aufdecken.

Die allgemein strafrechtlichen Vergehen stehen in unmittelbaren Zusammenhang mit der Alkoholproblematik, die als behoben angesehen werden kann, so daß sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für erneute strafrechtliche Auffälligkeiten nicht ausmachen ließ.

Auch Hinweise auf psychophysische Leistungsschwächen haben sich nicht ergeben. Der Proband hat beim Explorationsgespräch und der medizinischen Untersuchung eine ausreichende geistige Flexibilität gezeigt, das Gespräch hinreichend sachlich geführt, die gestellten Fragen rasch aufgenommen und diese angemessen verarbeitet. Die Durchführung von psychologischen Leistungstests erwies sich als nicht erforderlich.

Zusammenfassende Bewerlung

Die allgemein strafrechtlichen Vergehen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Alkoholproblematik, die als behoben angesehen werden kann, so daß sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für erneute strafrechtliche Auffälligkeiten nicht ausmachen ließ. Auf der Grundlage der bestehenden Abstinenz kann das Risiko erneuten Fehlverhaltens, darunter der Trunkenheit im Straßenverkehr, als gemindert beurteilt werden,

Zusammenfassend besteht aus medizinisch-psychologischer Sicht kein Anhalt dafür, wonach Herrn Erdreit die Kraftfahreignung weiterhin abgesprochen werden müßte.

Ärztin                                                                                                    Dipl. Psychologe

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