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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Agenda 21 - Projekt „Nachhaltiger Stadtteil Hoheluft Ost"

Projektskizze, Stand 03.05.97

Projektgruppe Hoheluft, c/o Büro Reumschüssel, Colonnaden 43, 20354 Hamburg, Tel. 35711169, Fax 35719700

Thomas Dittert, Architekturbüro Dittert & Reumschüssel

Karsten Wagner, Verein „Autofreies Wohnen e.V."

Jörg-Michael Sohn, Verkehrspsychologische Praxis

Christine Reumschüssel, Architekturbüro Dittert & Reumschüssel

Werner Steinke, Robin Wood

Bernd-Rüdiger Kremer, StattAuto

Pilotstadtteil Hoheluft Ost

Wir schlagen vor, die Planung für die Umnutzung der Falkenrieder Fahrwerkstätten (FFG) zu nutzen, um in Hamburg exemplarisch anhand eines größeren Projektes einen Planungsprozeß gemäß den Prinzipien der Agenda 21 in Gang zu setzen.

Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen die Falkenrieder Fahrwerkstätten. Die gegenwärtig noch gewerblich genutzte Fläche inmitten des Stadtteils Hoheluft Ost (Eppendorf) wird in den kommenden Jahren überwiegend in Wohnungsbaufläche umgenutzt. Im Rahmen der Umnutzung der FFG besteht für Hoheluft Ost die Chance, als sozial, wirtschaftlich und baustrukturell vielfältiger Stadtteil mit hoher Entwicklungsdynamik, eine Pilotfunktion für die Übertragung und Umsetzung des Gedankens der Nachhaltigkeit auf örtlicher Ebene zu übernehmen.

Die Auftaktveranstaltungen des Senates der FHH zur Agenda 21 fanden zu Beginn des Jahres ´96 mit einer Reihe von Fachforen anläßlich der Unterzeichnung der Aalborg-Charta auf Einladung des Ersten Bürgermeisters im Rathaus statt. Mehr als 100 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden waren zugegen, als der Erste Bürgermeister die Absicht und Zielvorstellungen der Umsetzung der Ideen und Grundsätze dieser Charta erläuterte: "...Die nachhaltige Nutzung der Umwelt erfordert von uns, daß die Verbrauchsrate von erneuerbaren Rohstoff-, Wasser- und Energieressourcen nicht höher ist als die Neubildungsrate, und daß nicht erneuerbare Ressourcen nicht schneller verbraucht werden, als sie durch dauerhafte, erneuerbare Ressourcen ersetzt werden können. ... Darüber hinaus heißt nachhaltige Nutzung die Erhaltung der Artenvielfalt, der menschlichen Gesundheit sowie die Sicherung von Luft, Wasser und Bodenqualitäten, die ausreichen, um das Leben und das Wohlergehen der Menschen sowie das Tier- und Pflanzenleben für alle Zukunft zu sichern."

Die Spezifität eines Agenda 21-Prozesses besteht aber nicht nur in einer höheren Ergebnisqualität, sondern vor allem in einer höheren Prozeßqualität. Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen Herangehensweisen an eine Planung besteht vor allem in der Integration aller betroffenen Akteure, der Bürger der Unternehmen sowie der öffentlichen Institutionen. Einzelmaßnahmen müssen vom Beirat und örtlichen Agenda 21- Gremien am Runden Tisch entwickelt und beschlossen werden. Diese stärkere, verbindlichere und frühzeitige Einbeziehung der Beteiligten eröffnet die Chance, daß Planungsprozesse durch frühzeitiges Lösen von Zielkonflikten im Endeffekt glatter laufen, weil sie von allen Betroffenen akzeptiert werden und entstehende Projekte von Anfang an organisch in das Umfeld eingebettet sind.

Da am Quartier Hoheluft Ost in idealer Weise sowohl die Voraussetzungen für einen solchen Planungsprozeß als auch die Realisierbarkeit der inhaltlichen Zielvorstellungen der Agenda 21 gegeben sind, kann hier ein wesentlicher Beitrag der Hansestadt Hamburg zur Erfüllung der Prinzipien der Agenda 21 und der Aalborg-Charta geleistet werden, der sich zudem positiv auf das Image und die Standortqualität der Stadt auswirken dürfte.

Nachhaltige Stadtentwicklung in und für Hoheluft Ost heißt:

  • Entwicklung einer zukunftsfähigen, ausgewogenen Wirtschafts- und Sozialstruktur.
  • Wachstum von städtischen Binnenstrukturen mit der Fähigkeit zur Selbstorganisation und zur Aktivierung von vorhandenen Strukturen und Stärken auch angesichts von jetzt noch nicht prognostizierbaren Entwicklungen.
  • Entlastung und Sicherung der Umwelt im Stadtteil und Verminderung der vom Stadtteil ausgehenden Umweltbelastungen und Ressourcenverbräuche und damit Sicherung der Wohn- und Standortqualität.
  • Aufgreifen und Verdeutlichen der ökonomischen und ökologischen lokalen und globalen Wechselwirkungen und deren Übertragung auf das alltägliche Handeln im Stadtteil.
  • Förderung der lokalen und regionalen Wirtschaft und deren Vernetzung.
  • Stärkung der Fähigkeit und Bereitschaft der Bewohner eines Viertels, aktiv und selbständig an der Entwicklung „ihres" Viertels mitzuarbeiten; Entwicklung einer Art „Corporate Identity", die individuellen Mißbrauch gemeinschaftlich geschaffener Strukturen erschwert.

Der zu beplanende Bereich bietet als Kern für die Entwicklung eines solchen „Pilotstadtteiles" gute Voraussetzungen, da er als bestehende Struktur auch historisch in die Umgebung eingebettet ist (er wird nicht als implantierter Fremdkörper erlebt), er hat eine optimale Größe, um eigenständige und differenzierte Binnenstrukturen zu entwickeln, ohne unüberschaubar zu werden und er bietet die Form eines geschlossenen Gebietes mit durchlässigen Grenzen in die Umgebung.

Inhaltliche Planungsziele

Abgeleitet von den Prinzipien der Agenda 21 sollte folgende Planungsziele Berücksichtigung finden:

  • Erhalt von Arbeitsplätzen,
  • Förderung des Strukturwandels,
  • Förderung stabiler sozialer Strukturen,
  • Erhalt möglichst vieler Funktionen: Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Sozial- und Kultureinrichtungen - „Stadt der kurzen Wege"

Die folgenden Themen haben besondere Relevanz. Dabei haben wir uns darauf beschränkt, die Zielstruktur nur anzureißen und lediglich exemplarisch Ansprechpartner zu nennen, die in einen solchen Planungsprozeß mit einbezogen sein könnten. Wichtig wird vor allem die Aktivierung lokaler Initiativen, Interessenverbände, sozialer Einrichtungen etc. sein. Es geht uns auf dieser Stufe darum, einen Planungsprozeß in den Prinzipien zu beschreiben, nicht darum, ihn stellvertretend zu vollziehen.

 

Integrierte Energiesparsiedlung

Die Gebäude werden in verdichteter Bauweise erstellt, ein Blockheizkraftwerk für die Siedlung wird angestrebt, und es gibt eine vertiefte Qualitätssicherung im Hochbau in Hinblick auf energetische Aspekte.

Die Gebäude werden vorrangig nach Süden orientiert, kompakt und in Anlehnung an den Niedrigenergiestandard gebaut (siehe hierzu auch „Energetische Empfehlungen zur Siedlungs- und Gebäudeplanung 1995", Herausgeberin: Umweltbehörde, Energieabteilung).

Potentielle Kooperationspartner: Solarinitiative Nord, Handwerksbetriebe/Planungsbüros, TU Harburg, Fachhochschule Berliner Tor, Architektenkammer, Verbraucherzentrale, Umweltbehörde, Handwerkskammer.

 

Flächenrecycling

Dies bedeutet ein Zusammenspiel der folgenden Maßnahmen, mit dem Ziel der Reduzierung des Verbrauchs ökologisch hochwertiger Flächen an der Peripherie der Stadt. Erreicht werden kann dies durch ein Angebot infrastrukturell gut erschlossener Flächen für verschiedene Gewerbebetriebe und Wohnformen im Stadtgebiet:

  • Das Gesamtvolumen der Gewerbeflächen soll weitestgehend erhalten bleiben. Die Finanzierung der Bodenpreise der Flächen für Gewerbebetriebe mit geringerem Mietaufkommen (immissionsarme produzierende Betriebe, GE-Ausweisung) erfolgt durch eine hohe Verdichtung im Bereich höherwertiger Nutzungen (Büro, MK-Ausweisung und Wohnen).
  • Die gegenwärtig vollständig versiegelte Fläche wird zu 50% entsiegelt. Dies ist im Wohnbereich durch die Umsetzung autoarmer und autofreier Konzepte und im Gewerbebereich sowie im Mischgebiet durch eine Erschließung unmittelbar von den vorhandenen Straßen her möglich. Weiterhin ist Regenwasserversickerung angestrebt, die Dächer sollen weitgehend begrünt werden.
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    Ressourcenschonendes Bauen

Verminderung des Ressourchenverbrauches meint nicht nur die weitgehende Verwendung der Bausubstanz sowie den optimierten Einsatz der Abbruchmaterialien vor Ort, also Bestandsrecycling, sondern auch die Verwendung von Baustoffen aus dem Umland, die einen möglichst hohen Grad der Recyclebarkeit haben sollen.

 

Frauenbezogene und familienfreundliche, d.h. menschliche Planung

Gerade für Frauen und Familien mit Kindern machen helle, übersichtliche und belebte Wege einen Teil von Wohnqualität aus. Die fußläufigen Haupterschließungsachsen, die eine gute Erreichbarkeit des übrigen Stadtteils gewährleisten, sind zugleich die Vorderseiten der Gebäude und ermöglichen auf diesem Wege eine gewisse soziale Kontrolle. Ebenso sollte diese Achse soziale Kontakte ermöglichen und so zum Flanieren einladen. Dort werden sonnige und vor Verkehrslärm geschützte Grünflächen, kleine Aufenthaltszone und Kinderspielbereiche vorgesehen.

Potentielle Kooperationspartner: Soziale Einrichtungen im Stadtteil, Kirchen, Frauenberatungsstellen, Frauenbeauftragte.

 

Vernetzung des Quartiers mit dem Umfeld

Die fußläufigen Erschließungen bieten eine bequeme, angenehme und von Pkws verschonte Verbindung ins übrige Quartier. Die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung sind zu Fuß schneller zu erreichen als mit dem PKW. Die Stadtteilgeschichte, z.B. des alten Gewerbestandortes der FFG und der dazugehörigen Arbeiterwohnbebauung, soll erlebbar bleiben. Neben privaten Außenräumen hat das Quartier deutlich ablesbare halböffentliche und öffentliche Bereiche, die dem Umfeld Offenheit bieten sollen. Der Entstehungsprozeß der neuen Siedlung, also die Beteiligung der Anlieger, soll in der Gestaltung erkennbar sein.

Potentielle Kooperationspartner: IHK, Gewerbetreibende, vorhandene Geschäfte und Einrichtungen in der Umgebung, Genossenschaft Falkenried-Terrassen.

 

Flächendeckende Initiativen zur Verkehrsminderung

Gerade in diesem Bereich ist die Kreativität vor Ort gefragt, als Stichworte seien hier nur genannt: Bewohnerticket, Bringeservice, CarSharing, Mobilitätsberatung.

Potentielle Kooperationspartner: HHA, HVV, Anlieger, VCD, Umweltbehörde, Autofreies Wohnen e.V., StattAuto, Nahversorgungsunternehmen, Grünämter der Stadt und des Bezirkes.

 

Standortentwicklung als Mittelstandsförderung

Die Entwicklung von Standortqualitäten auf Dauer erfordert eine materielle Matrix, an der sich gewerbliche und Dienstleistungsunternehmen ausrichten können und nicht den Aufbau einer starren, monofunktionalen Struktur. Leitlinien bei der Planung sind:

  • Betriebe im Bereich der zukunftorientierten Dienstleistungen neuer Medien der Bereiche EDV, Datenvernetzung, Software, visueller Kommunikation u.ä. sollen gezielt für ein ganzheitliches Konzept geworben werden. Durch die Möglichkeit der Nutzung und der Betreuung neuer Medien vor Ort soll auch für die Betriebe der Standort attraktiv werden, die ansonsten eher zurückhaltend beim Einsatz moderner I+K - Technologie sind. Den übrigen Dienstleistungsunternehmen muß die Möglichkeit der intensiven Vernetzung mit Hochschulen, NDR, Handwerkskammer, Handelskammer, HWF, Wirtschaftsbehörde geboten werden.
  • Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze vor Ort, durch Bereitstellung kostengünstiger Gewerbeflächen (s.o.) sowie Mittelstandsförderung
  • Förderung gezielter Vermarktung von Produkten aus dem Umland. Bringe-Service für Kunden, bzw. Belebung der Nachfrage für solche Dienstleistung für alle, die meinen, ohne Auto nicht einkaufen zu können. D.h. Verbesserung der Versorgungsqualität in den Wohnquartieren, insbesondere mobilitätsbehinderter Mitbürger, Erhalt und Förderung der kleinen und mittleren Geschäfte, Arbeitsplätze im Einzelhandel.
  • Ansiedelungsmöglichkeiten für stadtteilbezogene Dienstleistung als kleinteiliges Gewerbe in nicht störenden Handwerkshöfen.

Potentielle Kooperationspartner: Kaufleute im Quartier, Handelskammer, Sozialträger, Arbeitssenator, Anwohner/innen.

 

Kulturarbeit

Da viele Anliegen der Agenda 21 durch kulturelle Aktivitäten direkt umgesetzt werden können, wie Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen, und auch der Gedanke der Agenda selbst durch Kulturaktionen transportiert werden könnte, sollen verschiedene Künstler und Akteure aus der kulturellen Breitenarbeit mit in den Prozeß eingebunden werden.

Potentielle Kooperationspartner: Beiräte, Theater, Galerien, Kulturgruppen.

 

Nutzer/innenorientierte Bau- und Finanzierungsarten

Zu denken ist hierbei an die Möglichkeiten des Selbstausbaues, Möglichkeiten des frühzeitigen finanziellen Einstiegs, die finanzielle Entlastungen für die Nutzer/innen bieten sollen, aber auch Risikoübernahme und damit verbunden eine Risikoreduzierung der Bauträgerschaft.

Potentielle Kooperationspartner: Verbraucherzentrale, Genossenschaften, Architektenkammer, Investor/innen, zukünftige Eigentümer/innen, UNI Hamburg/angewandte Sozialwissenschaften.

 

Zentrum für nachhaltige Entwicklung

In Kooperation mit allen gegenwärtig und zukünftig Beteiligten sollte hier ein derartiges Zentrum ins Leben gerufen werden.

Potentielle Kooperationspartner: Der Zukunftsrat, die Uni Hamburg, die Handwerkskammer, private Forschungsinstitute, der Verein "Agenda Nord e.V.i.G.", Handelskammer, Vereine und Initiativen, Investor/innen.

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