Qualifikation

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Der Bereich der Verkehrspsychologie ist ein Tätigkeitsbereich, der eher organisch gewachsen ist, als nach wissenschaftlichen oder politischen Vorgaben streng strukturiert. Allerdings hat in den letzten Jahren eine zunehmende Verrechtlichung stattgefunden. Grundsätzlich sind für die Beurteilung von Qualifikationen der Anbieter von Maßnahmen folgenden Informationen wichtig:

Diplom-Psychologe (abgekürzt Dipl.-Psych.) darf sich nur jemand nennen, der ein Studium der Psychologie an einer Hochschule abgeschlossen hat. Scheuen Sie sich nicht, im Zweifelsfalls nach dem Diplom zu fragen.

Psychologe ist ein Begriff, der zwar ebenfalls grundsätzlich geschützt ist, da das Bundesverwaltungsgericht schon 1984(?) festgestellt hat, dass der Durchschnittsbürger darunter jemanden versteht, der ein Hochschul-Studium abgeschlossen hat. Aber immer noch nennen sich Leute ohne jegliche Ausbildung in diesem Bereich "Psychologe", es laufen zur Zeit eine Reihe von wettbewerbsrechtlichen Prozesse, die zum Teil schon erfolgreich abgeschlossen sind, aber dafür muss in jedem Einzelfall geklagt werden. Grundsätzlich ist Misstrauen angesagt, wenn sich jemand als "Psychologe" bezeichnet oder unklare Formulierung wählt wie "Studium der Psychologie bei Prof. X. am DZTQ" - wenn er einen Hochschulabschluss hätte, würde er dieses klar sagen. Auch "psychologischer Berater" etc. weist auf eine Qualifikation unterhalb der Ebene eines Hochschulabschlusses hin.

Verkehrspsychologe ist leider ein sehr unscharfer Begriff. Dies liegt daran, dass dies logischerweise eine Spezialisierung eines Diplom-Psychologen darstellen sollte. Da an den deutschen Hochschulen aber seit Jahren keine organisierte, strukturierte und kontinuierliche Ausbildung in diesem Bereich existiert, hat sich faktisch folgende Situation herausgebildet: Die Träger von Begutachtungsstellen (vor allem TÜV, DEKRA und AVUS) haben eigene Ausbildungsanforderungen und -konzepte für den Bereich der Begutachtung entwickelt, so dass jemand, der in diesem Bereich gearbeitet hat, zu Recht als Verkehrspsychologe bezeichnet werden kann, auch wenn seine Aufgabengebiet in der Regel begrenzt war (Diagnostik verkehrsauffällige Kraftfahrer). Zum zweiten gibt es eine Reihe von Diplom-Psychologen, die aus dem universitären Bereich kommen und sich in Forschung, Lehre oder in Projekten mit Fragen der Verkehrspsychologie beschäftigt haben - auch diese dürften sich zu Recht als Verkehrspsychologen bezeichnen. Und schließlich gibt es eine Reihe von freiberuflich arbeitenden Diplom-Psychologen, die sich seit längerem schwerpunktmäßig mit dem Bereich Verkehr beschäftigen, speziell mit der Rehabilitation verkehrsauffälliger Kraftfahrer. Hier die Grenzziehung sicher schwierig, jemand, der frisch von der Uni kommend eine Praxis aufmacht oder jemand, der hauptsächlich für Krankenkassen arbeitet, aber mal einen Patienten mit Führerscheinproblemen hatte, wird sich nicht das Recht haben, sich als Verkehrspsychologen zu bezeichnen.

Fachpsychologe für Verkehrspsychologie (BDP) ist ein Titel, der das oben Gesagte versucht zu operationalisieren. Dieser (nicht gesetzlich verankerte, sondern von einem Berufsverband vergebene) Titel wird verliehen entweder, wenn jemand eine bestimmte, vom BDP angebotene Fortbildung (Curriculum Verkehrspsychologie) durchlaufen hat. Da dies Curriculum erst seit einigen Jahren angeboten wird, gilt in aller Regel, das momentan noch die fast alle Diplom-Psychologen (nur solche können diesen Titel erwerben), die diesen Zusatztitel haben, ihn nach den Übergangsregelungen bekommen haben. Dies bedeutet, dass sie folgende Voraussetzungen erfüllen müssen: 2 Jahre vorwiegend verkehrspsychologische Tätigkeit in Vollzeit (oder entsprechend länger in Teilzeit), Nachweis einer Fort- oder Weiterbildung in Verkehrspsychologie von mindestens 30 Stunden und Verpflichtung auf die Berufsordnung für Psychologen sowie fortlaufende Fortbildung. Jemand mit diesem Titel bietet also die Gewähr, von diesem Arbeitsgebiet fundierte Erfahrungen zu besitzen.

Anerkannt für Verkehrspsychologische Beratungen nach § 4 Abs. 9 StVG: Dies ist eine thematisch begrenzte, aber wichtige Qualifikation. Im Straßenverkehrsgesetz in § 4, Absatz 9, also auf gesetzlicher Grundlage ist festgelegt, dass jemand, der eine Verkehrspsychologische Beratung durchführt, die einen Punkteabbau zur Folge hat, bestimmten Anforderungen genügen muss, die in § 71 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) näher definiert sind. Im wesentlichen sind dies wiederum das Diplom in Psychologie, eine spezielle Ausbildung, eine mehrjährige Erfahrung in diesem Bereich und die Einbindung in ein anerkanntes Qualitätssicherungs-Systems. Jemand mit dieser Anerkennung steht also quasi unter eine gewissen staatlichen Aufsicht (die Anerkennung muss regelmäßig verlängert werden und kann auch von den obersten Landesbehörden entzogen werden). Allerdings ist darauf zu achten, dass sich diese Anerkennung nur auf einen umgrenzten Aufgabenbereich bezieht, nämlich die Kurzzeitberatung von Punktetätern. Es existiert ein bundesweites Register im Internet, in dem Sie überprüfen können, ob jemand diese Qualifikation besitzt (bitte etwas Geduld beim Öffnen...).

Psychologischer Psychotherapeut: Dies ist ein weiterer gesetzlich geschützter Titel, vergleichbar einem Arzt. Im Psychotherapeutengesetz ist festgelegt, dass diesen Titel nur führen kann, wer über eine umfangreiche therapeutische Ausbildung in bestimmten Verfahren verfügt, lange Zeit Patienten im Rahmen des Kassensystems behandelt hat, regelmäßig Supervision bekommen hat etc. Diese Qualifikation bezieht sich also auf die therapeutische Arbeit mit Kranken, die über Krankenkasse abgerechnet wird. Damit haben solche Diplom-Psychologen eine hohe therapeutische Qualifikation. Davon muss aber strikt die Möglichkeit getrennt werden, Maßnahmen zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis über Krankenkassen abzurechnen. Es haben eine Reihe von Prozessen wegen Abrechnungsbetruges stattgefunden, da Maßnahmen zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung definitiv nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen gehören und damit nur dann abgerechnet werden können, wenn eine tatsächliche Grunderkrankung nach ICD, d.h. eine Störung von Krankheitswert vorliegt.

Wichtig zur Beurteilung der Qualifikation ist zudem die Mitgliedschaft in verschiedenen Organisationen, da dies einen regelmäßigen Informationsaustausch gewährleistet und sicherstellt, das in der Arbeit neue fachliche und gesetzliche Rahmenbedingungen gewährleistet sind:

Ich selbst bin bzw. war in allen diesen Organisationen in Leitungspositionen vertreten.

Im Bereich verkehrstherapeutischer Maßnahmen gilt:

  • Seriöse Anbieter machen keine Testvorbereitung, sondern geben Unterstützung bei einer wirklichen und stabilen Verhaltensänderung.
  • Sie sind therapeutische qualifizierte Diplompsychologen mit im Regelfall mehrjähriger Erfahrung in der Beratung und Behandlung auffälliger Kraftfahrer.
  • Sie veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Arbeit in Jahresberichten und  auf Kongressen.
  • Sie arbeiten auf der Grundlage des Selbstverständnis-Papiers des Arbeitskreises Klinischer Verkehrspsychologie.
  • Sie beachten die Leitsätze Verkehrpsychologische Beratung.
  • Sie arbeiten unabhängig von Begutachtungsstellen für Fahreignung.
 

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Copyright © 2009 Verkehrspsychologische Praxis Dipl.-Psych. Jörg-Michael Sohn, Saarlandstr. 6 a, 22303 Hamburg, Tel.: 040-56008008. Stand: 19. November 2009