Tischler

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

Achtung: Dies ist ein fiktives Beispielgutachten!

Technischer Überwachungs-Verein Nord e.V.

Medizinisch-Psychologisches Institut

Herrn                                                                  Medeweger Str. 20

Heinrich Tischler                                                  19057 Schwerin

Bahnhofsstr. 1 Tel.:                                              (0385) 7310121

12345 Fiktivdorf

0123-97-4567-8 Abc / XyZ                                 29. Jul. 1997

GUTACHTERLICHE BEURTEILUNG

zur Vorlage bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde

über Herrn Tischler, Heinrich

geb. am: 17. April 1943

geb. in:   Berlin

Untersuchungstag: 20. Jul.1997

Untersuchungsanlaß

Ist zu erwarten, daß der Untersuchte zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluß führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges in Frage stellen?

Das Gutachten dient ausschließlich zur Vorlage bei der Straßenverkehrsbehörde und dieser als Entscheidungshilfe entsprechend den Richtlinien für die Prüfung der körperlichen und geistigen Eignung von Fahrerlaubnisbewerbern und -inhabern (sog. Eignungsrichtlinien).

In dem Gutachten soll dazu Stellung genommen werden, ob die entsprechend der Fragestellung bestehenden Eignungszweifel ausgeräumt werden können. Voraussetzungen für eine positive Prognose sind insbesondere, daß

  • Einsicht in die Problematik, die für die Delikte bzw. Auffälligkeiten maßgeblich war, besteht;
  • eine ausreichende Veränderung erkennbar ist, die eine zukünftig angepaßte Verkehrsteilnahme erwarten läßt;
  • diese Veränderung auf der Grundlage einer tragfähigen Motivation als fundiert bzw. stabil bewertet werden kann;
  • keine medizinischen Befunde oder psychophysischen Leistungsbeeinträchtigungen einer sicheren Verkehrsteilnahme entgegenstellen.

Aktenanalyse

Die Aktenunterlagen der Straßenverkehrsbehörde haben vorgelegen und wurden eingesehen. Da die Straßenverkehrsbehörde zweckgerichteter Empfänger des Gutachtens ist, kann insofern auf den dort bekannten Akteninhalt verwiesen werden.

Demnach kam es am 13.07.1996 zur Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluß. Die Trunkenheitsfahrt erfolgte gegen 11:15 Uhr, die festgestellte Blutalkoholkonzentration ist mit mindestens 1,82 ‰ angegeben. Laut Protokoll des blutabnehmenden Arztes wurde Herr Tischler als "leicht unter Alkoholeinfluß stehend" beschrieben.

Exploration

Zu seiner beruflichen und häuslichen Lebenssituation machte Herr Tischler folgende Angaben: Er sei Tischler und Zimmermann. Von 1969 bis Ende 1994 habe er einen eigenen Betrieb gehabt. 1993 habe er einen Arbeitsunfall gehabt, dabei habe er sich das rechte Handgelenk verletzt. Nachfolgend habe er dann 1994 den Betrieb an seinen Sohn übergeben. Er selbst sei seitdem arbeitslos. Mit dieser Situation komme er nur schlecht zurecht, er wolle gerne eine neue Beschäftigung haben, dies sei aber nicht so leicht für ihn. Herr Tischler ist verheiratet, er hat drei erwachsene Kinder, von denen zwei in eigenen Haushalten leben, das jüngste wird demnächst ausziehen.

Angaben zur Trunkenheitsfahrt vom 13.07.1996

Herr Tischler gab hierzu an, daß dies ein sehr heißer schwüler Tag gewesen sei. Man habe die Taufe seines Enkels feiern wollen, seine Ehefrau Kuchen gebacken und festgestellt, daß Eier fehlten. Er sei dann schnell zum nächsten Geschäft gefahren und habe dort Eier gekauft. Auf dem Rückweg sei er kurz vor seiner Wohnung von der Polizei kontrolliert worden. Die Fahrtstrecke habe insgesamt vielleicht einen Kilometer betragen, er habe sie ohne Besonderheiten zurückgelegt. Er sei der Meinung, daß er eventuell angezeigt worden sei. Er habe sich gut gefühlt, vom Alkohol habe er nichts bemerkt. Er habe auch an dem Tag vor Fahrtantritt keinen Alkohol getrunken. Am Vorabend habe er jedoch im Zeitraum von etwa 18:30 Uhr bis gegen 22:00 Uhr Korn und Bier getrunken. Bekannte hätten ihm bei den Vorbereitungen für das Fest geholfen. Danach habe man dann zu dritt eine Flasche Korn geleert, zusätzlich habe er noch drei oder höchstens vier Flaschen Bier getrunken. Gegen 22:00 Uhr sei er dann zu Bett gegangen, am Morgen des nächsten Tages habe er vor Fahrtantritt keinen weiteren Alkohol getrunken.

Um eine eigene Bewertung des Vorfalles gebeten, gab Herr Tischler an "ich habe ja nichts gemacht, keinen Unfall, keinen behindert." Auf die Frage, ob er denn wisse, weshalb eine Begutachtung bei ihm für nötig gehalten worden sei, gab Herr Tischler an, er habe "auf dem Zettel gelesen, daß man ab 1,6 ‰ da hin muß."

Angaben zum Alkoholkonsum

Nach seinen Alkoholgewohnheiten befragt, meinte Herr Tischler, "das ist ganz kurz zu sagen. Gelernt hab ich das bei der Bundeswehr." Später sei dann im beruflichen Umfeld auch häufiger Alkohol getrunken worden, er habe viel auf Baustellen zu tun gehabt. Im März 1989 habe er im Krankenhaus Ochsenzoll in Hamburg eine einwöchige stationäre Entgiftung gemacht. Im Jahr davor habe er erhebliche berufliche Schwierigkeiten gehabt, damals habe er "schon viel getrunken." Ob es damals jeden Tag gewesen sei, das wisse er nicht mehr. Er habe damals pro Woche vielleicht eine halbe bis eine Flasche Schnaps getrunken "und Bier des öfteren." Genauer könne er sich daran aber nicht mehr erinnern. Nach der Entgiftungsbehandlung habe er dann von April bis Oktober 1989 eine Alkoholtherapie im Haus Tiefenbrunn in der Eifel gemacht. Danach habe er "nur noch ganz wenig getrunken." Bis 1992 sei er auch in verschiedenen Selbsthilfegruppen gewesen. Dort sei aber überall so viel geraucht worden, das habe er nicht vertragen. Ob er in der Therapie und in den Gruppen etwas über sich selbst und seinen Umgang mit dem Alkohol gelernt habe? Es sei in den Gruppen "immer das gleiche gewesen. Alkohol ist schädlich, Alkohol ist nicht gut." Er habe dann nach dem Rauchen gefragt, ob dies nicht auch schädlich sei, aber er habe keine befriedigenden Antworten bekommen.

Ob er sich selbst als Alkoholiker einstufe? - dies wisse er nicht genau, er sei "vielleicht zum Teil Alkoholiker, vielleicht fifty fifty."

Zu seinem Alkoholkonsum im Zeitraum vor der Trunkenheitsfahrt befragt, gab Herr Tischler an, nur sehr selten Alkohol getrunken zu haben. Bei Feiern und Familienfesten, die etwa alle zwei Monate vorgekommen seien, habe er bis zu vier Flaschen Bier und vielleicht zwei bis drei Schnäpse getrunken. Außerdem habe er "vielleicht mal mit dem Nachbarn geklönt, dabei eine Flasche Bier getrunken." Dies sei im Monat aber nicht häufiger als ein- bis zweimal vorgekommen.

Wann er zuletzt Alkohol getrunken habe? - er habe in der letzten Woche mit seiner Frau auf der Terrasse gesessen und zwei oder drei Bier getrunken.

Wie er seinen gegenwärtigen Alkoholkonsum selbst bewerte? -"der ist geringfügig."

Wie er sich angesichts des von ihm beschriebenen durchschnittlichen Alkoholkonsums im Zeitraum der Trunkenheitsfahrt die Trinksituation am Abend vor der Trunkenheitsfahrt erkläre? - dies sei eine "Ausnahme" gewesen, er habe mit den Bekannten getrunken, weil diese ihm bei den Festvorbereitungen geholfen hätten.

In Zukunft wolle er erneute Trunkenheitsfahrten dadurch verhindern, daß er weniger trinken wolle, wenn er fahren müsse, oder daß seine Ehefrau fahren werde.

Auf die Frage, warum er nach der Entgiftungsbehandlung und der Alkoholtherapie im Jahre 1988 weiterhin Alkohol getrunken habe, erklärte Herr Tischler, daß er dies selber nicht wisse. Er könne wochenlang keinen Alkohol trinken, "aber wenn ich dann einen kleinen Schluck trinke, dann kann ich schlecht wieder aufhören." Dies verstehe er nicht "und das konnte mir auch keiner erklären, der Arzt nicht und die Psychologen auch nicht."

Ob er seiner Meinung nach Probleme mit dem Alkohol habe? -"nö, eigentlich nicht."

Verkehrsmedizinischer Befund

Bei der ärztlichen Untersuchung ist entsprechend der behördlichen Fragestellung zunächst festzustellen, ob das Führen von Kraftfahrzeugen aus verkehrsmedizinischer Sicht beeinträchtigt oder sogar ausgeschlossen ist. Hierbei werden auch Befunde erhoben und interpretiert, die entsprechend dem Untersuchungsanlaß in Verbindung mit den Vorgeschichtsdaten und dem psychologischen Befund für eine Verhaltensprognose bedeutsam sind.

Die medizinische Untersuchung umfaßt die Erhebung der Krankheitsvorgeschichte (Anamnese). In jedem Fall findet eine orientierende Untersuchung der Bereiche innere Organe (Tastbefund), Herz/Kreislauf, Motorik und Nervensystem einschließlich Vegetativum statt. Der spezielle Untersuchungsumfang richtet sich nach der von der Straßenverkehrsbehörde definierten Fragestellung und wird ggfs. ergänzt durch labormedizinische Analysen. Daten der Krankheitsvorgeschichte und Befunde, die für die Fragestellung nicht von Bedeutung sind, werden im Gutachten nicht aufgeführt.

Alter: 54 Jahre; Größe: 178 cm; Gewicht: 105 kg

Krankheitsanamnese:

  • Entgiftung (1989 1 Woche)
  • Entgiftung vom Alkohol im Krankenhaus Ochsenzoll, anschließend 4-10/89 Behandlung im Haus Tiefenbrunn
  • Zustand nach Fraktur des rechten Handgelenkes 1993

Keine Medikamenteneinnahme in den letzten drei Monaten.

Untersuchungsbefunde:

  • Gesichtsrötung (deutlich)
  • Teleangiektasien (deutlich im Gesicht)
  • Puls: 84 Schläge pro Minute rhythmisch
  • Blutdruck: RR im Liegen 170/90 mm Hg
  • Achillessehnenreflex re. wurde auf Wunsch des Klienten wegen Schmerzen aufgrund einer Verzerrung nicht durchgeführt
  • Fingertremor/feinschlägig und diskret in Ruhe
  • Blindgang und Einbeinstand nicht durchführbar - laut Klient Beeinträchtigung nach Zerrung vor einer Woche

 

Leberfunktionsproben: GOT 21 U/L (Norm bis 18)

GPT 21 U/L (Norm bis 22)

GGT 183 U/L (Norm bis 28)

(Normwertgrenzen für eine Meßtemperatur von 25 Grad Celsius)

Leistungspsychologisches Untersuchungsergebnis

Da sich die Fragestellung auch ohne die Ergebnisse psychophysischer Leistungsproben beantworten läßt, wurde auf die Anwendung entsprechender Testverfahren verzichtet.

Zusammenfassende Befundwürdigung

Der 54jährige Herr Heinrich Tischler hat die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis beantragt. Nach einer Trunkenheitsfahrt mit hoher Blutalkoholkonzentration bestehen seitens der Verkehrsbehörde Eignungszweifel. Es wurde deshalb am 20.07.1997 eine medizinisch-psychologische Eignungsüberprüfung durchgeführt, die zu dem folgenden Ergebnis gelangte:

Im Rahmen der anlaßbezogenen verkehrsmedizinischen Untersuchung ergaben sich verschiedene Befundauffälligkeiten, die im Zusammenhang mit vermehrtem Alkohol-konsum häufig auftreten. Bei der Untersuchung der Leberfunktionsproben ergab sich ein extrem und isoliert über die Norm erhöhter Gamma-GT-Wert. Angesichts des Fehlens anderer als verursachend in Frage kommender Faktoren muß dieser Befund auf aktuellen Alkoholmißbrauch zurückgeführt werden.

Im Explorationsgespräch hafte Herr Tischler Gelegenheit, die Trunkenheitsfahrt und deren Rahmenbedingungen aus seiner Sicht darzustellen. Er berichtete über seine häusliche und berufliche Lebenssituation. Sein früherer und jetziger Umgang mit dem Alkohol wurde ausführlich mit ihm erörtert, dabei wurde besonderes Gewicht auf die subjektive Wahrnehmung und Bewertung desselben gelegt.

Bei der Betrachtung der Trunkenheitsfahrt ist die hohe Blutalkoholkonzentration hervorzuheben, sowie auch die Tatsache, daß trotz der hohen Promillezahl ohne gravierende Auffälligkeiten am Straßenverkehr teilgenommen werden konnte. Beides weist auf eine sehr hohe Alkoholgewöhnung zum damaligen Zeitraum hin. Weiterhin ist festzustellen, daß es, wenn man den Angaben von Herrn Tischler folgt, sich bei der festgestellten Blutalkoholkonzentration um Restalkohol handelt. Unter Berücksichtigung des Alkoholabbaus müßte bei Trinkende am Vorabend eine Blutalkoholkonzentration von annähernd 3 ‰ bestanden haben. Dies verweist auf Alkoholkonsumgewohnheiten im Bereich des Alkoholismus.

Aus den von Herrn Tischler gemachten Angaben zu seinem allgemeinen Alkoholkonsum im Zeitraum der Trunkenheitsfahrt läßt sich weder die Trinksituation mit exzessivem Alkoholkonsum am Vorabend der Trunkenheitsfahrt erklären, noch erklärt sich aus jenen die aufgezeigte sehr hohe Alkoholgewöhnung. Auch die Angaben zum aktuellen Alkoholkonsum müssen angesichts der medizinischen Befunde als grob kaschierend bzw. leugnend bewertet werden.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß von einer langjährigen schweren Alkoholproblematik ausgegangen werden muß. Trotz Entgiftungsbehandlung und rnehrmonatiger stationärer Alkoholtherapie im Jahre 1989 wurde weiterhin Alkohol konsumiert, die Notwendigkeit zu abstinenter Lebensführung wurde von Herrn Tischler nicht erkannt. Auch gegenwärtig besteht erheblicher Alkoholmißbrauch, der jedoch vom Untersuchten geleugnet wird.

Angesichts dieser Befundlage kann gegenwärtig keine günstige prognostische Beurteilung gegeben werden. Es ist Herrn Tischler zu empfehlen, mit seinem Hausarzt Rücksprache zu halten und sich um fachliche Hilfestellung zu bemühen.

Aufgrund der referierten Befunde müssen wir somit zu der folgenden Beurteilung gelangen:

Beurteilung gemäß Untersuchungsanlaß und Fragestellung

Es muß zukünftig mit Fahrten im Zustand alkoholischer Beeinflussung gerechnet werden.

Im vorliegenden Falle hat die Beurteilung den im Gutachten "Krankheit und Kraftverkehr" enthaltenen Richtlinien für die Beurteilung alkoholabhängiger Personen zu folgen. Eine günstige Beurteilung könnte demnach erst nach einem Jahr erwiesener Abstinenz nach Abschluß einer erfolgreichen Entwöhnungsbehandlung erwogen werden.   

gez.

Dr. med.                                                                                      Dipl. Psychologin

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